German Church School Addis Abeba « Jedem eine Chance  «

Laufen für eine Schule in Äthiopien

bremen01

 Grundschüler vom Alten Postweg spenden die Einnahmen ihrer Sponsorenaktion

Hastedt. Im Musikraum der Schule am Alten Postweg herrscht reges Treiben. Kinder und Lehrer haben sich versammelt, um den Erlös ihres Sponsorenlaufs im Mai an die German Church School in Addis Abeba in Äthiopien zu spenden. Zu Gast ist Pastor Gossens, der den Scheck entgegennimmt und eine kleine Präsentation und Videos über die äthiopische Schule mitgebracht hat.

Am 25. Mai liefen rund 200 Kinder aus elf Klassen und das gesamte Kollegium der Hastedter Schule eine Strecke, die über das Weserwehr, an der Weser entlang und bis zum Cafe Sand führte. Von dort aus ging es mit der Fähre Halöver an das andere Ufer und entlang der Weser wieder zurück in die Schule.

Einige Klassen brachten es auf bis zu 18 Kilometer Laufleistung. Im Vorfeld hatten die Kinder Sponsoren gesucht, das konnten die Eltern und Großeltern oder auch Firmen und Unternehmen sein. Gespendet werden konnte pro gelaufenem Kilometer oder auch ein Pauschalbetrag.

Unter dem Motto „Die ganze Schule macht mit" war auch die aktive Unterstützung der Eltern sehr wichtig, denn diese standen an verschiedenen Wegstationen, um die Laufkarten der Kinder abzustempeln.

Den Sponsorenlauf, auch „Benefizwandern" genannt, gibt es in der Schule am Alten Postweg schon über Generationen. Er wird jedes Jahr organisiert. Diesmal konnte der neue Schulleiter Sebastian Gerber als Gesamteinnahme die Summe von 4560,26 Euro verkünden. Der Schülerrat stimmte darüber ab, an wen die Spende gehen soll. Im vergangenen Jahr war ein Übergangswohnheim für Flüchtlinge unterstützt worden. In diesem Jahr wird die Hälfte für einen Spieltunnel auf dem Schulhof verwendet und die andere Hälfte, also 2325,13 Euro, geht an die German Church School in Äthiopien.

Pastor Martin Gossens war von 2006 bis 2013 Projektleiter in Addis Abeba und freute sich über den Spendenscheck. „Es ist wichtig, dass die Kinder hier erfahren, wo genau das Geld hingeht", sagte Gossens und führte einige Videos der Schüler von der German Church School vor. Im Anschluss beantwortete Gossens Fragen der Kinder.

Während seiner siebenjährigen Arbeit in Addis Abeba betreute Pastor Martin Gos-sens die German Church School. „Es war eine tolle Aufgabe, aber auch sehr herausfordernd" , sagte er. Äthiopien gehört zu einem der ärmsten Länder der Welt. Die Bevölkerungszunahme liegt bei zwei Millionen Menschen pro Jahr. Etwa die Hälfte der Menschen ist unterernährt, zudem ist die Trinkwasserversorgung schlecht. Außerdem bestünden eine unzureichende medizinische Versorgung und Lücken in der Schulbildung, so Gossens. „Die Schulbildung ist der Schlüssel, um etwas zum Positiven zu ändern", sagte er.

Die German Church School ist ein Sozialprojekt der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache und wird unterstützt von der Kindernothilfe und der Christoffel Blindenmission. „Es gibt dort pro Klasse zwei Kinder, die eingeschränkt sind zum Beispiel durch Blindheit. Einer der Schüler, die damals unsere Schule besuchten, ist heute Anwalt", berichtete Gossens. 1966, also vor 50 Jahren, sei mit dem ersten hauptamtlichen Pastor der deutschen Gemeinde William Lane Graffam die Entscheidung gefallen, eine Sozialarbeit für die Bewohner aufzubauen. Ein Schulneubau für etwa 1000 Schüler wurde 1996 fertiggestellt. Heute besuchen 1200 Kinder, Jugendliche und Erwachsene die Schule unter der Woche und auch am Wochenende. Der Unterricht läuft in Schichten, es wird also morgens, nachmittags und abends unterrichtet. „Abends kommen die Eltern, um auch ein wenig Bildung nachzuholen", sagte Gossens. Die Klassen seien teilweise mit jeweils 40 Kindern belegt, die bis zur achten Klasse unterrichtet werden. Sie bekommen Brot, Milch und Bananen in der Pause. Eine eigene Krankenstation sorgt für die medizinische Versorgung. „Die Kinder bekommen außerdem eine Schuluniform und Schuhe von uns", sagte Gossens.

Neben Fächern wie Mathe, Englisch und Naturwissenschaften gibt es Zusatzangebote in den Bereichen Sport, Musik und Theater, um Begabungen zu fördern, Gossens: „Die wichtigste Hilfe überhaupt ist die Hilfe zur Selbsthilfe."

Text und Foto: Nadine Grohe

aus Weser-Kurier vom 19. und 22.9.2016