German Church School Addis Abeba « Jedem eine Chance  «

German Church School beim Tag der Deutschen Einheit

2014-10-03-Tag-der-Deutschen-Einheit-110-200pxTreffen mit Freunden beim Empfang des deutschen Botschafters in Addis Abeba

Immer wieder drängten sich neugierige Menschen um den Stand der German Church School beim Empfang am 3. Oktober 2014. Neugierig betrachteten sie die zwei Schüler, die sich hinter dem Tisch bereit gemacht hatten, Rede und Antwort zu der bekannten Gemeindeschule zu stehen. Immerhin machten einige auch den Versuch, die jungen Menschen direkt anzusprechen. Etwas verschämt aber bereitwillig gaben sie Auskunft.

„Wie geht das, blinde und sehende Schüler zusammen in einer Klasse zu unterrichten?“ Dass das gut zusammen geht, konnten beide bestätigen. Der eine sogar aus einer besonderen Perspektive, denn er war selbst annimmt. Er berichtete, wie er seit der ersten Klasse im Verband mit all den anderen unterrichtet wird, wie es war, als er am Anfang seinen Partner zugeteilt bekam, der im half sich aus dem Schulhof zurechtzufinden. Er konnte auch erzählen, dass es ihm jetzt ziemlich mühelos gelingt, die Klassenräume zu erreichen. Nach sieben Jahren ist in den German Church School eine zweite Heimat geworden.

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Wer sich traute die beiden anzureden, bekam nicht nur Auskunft über das Schulleben, sondern auch das Angebot, seinen Namen in Brailleschrift auf der Schreibmaschine herstellen zu können. Ganz praktisch wurde gezeigt, wie Sehbehinderte und Sehende gemeinsam an Handarbeiten sitzen. „Neben dem, was die Schülerinnen und Schüler vom Lehrplan her lernen müssen, ist uns besonders wichtig, dass sie auch an Selbstbewusstsein zunehmen“, erläutert der stellvertretende Schulleiter, Ato Teshome. „Wenn Sie unsere Schule nach der achten Klasse verlassen, sollen sie stolz auf das geleistete sein – das gilt für Sehende und Sehbehinderte.“

2014-10-03-Tag-der-Deutschen-Einheit-121-200pxIn erster Linie ist der Empfang beim Botschafter wohl zum gegenseitigen Austausch, zum Sehen und Gesehenwerden gedacht. Manchmal könnte der Eindruck entstehen, die Stände deutscher sozialer Einrichtungen seien so etwas wie die karitative Garnitur wichtiger diplomatischer Gespräche. Aber das wäre eine Fehleinschätzung der Arbeit, die von Organisationen wie dem Goethe-Institut, der Deutschen Botschaftsschule oder eben der German Church School geleistet werden. Nicht nur durch die Tiefe ihres soziales Engagement, sondern auch durch die Länge ihrer Präsenz im Lande, sind sie Botschafterorganisationen Deutschlands ersten Ranges.

Der Empfang ist für die German Church School auch deshalb wichtig, weil sich am Stand alte und neue Freunde einfinden. Dabei kommt es durchaus zu Gesprächen, die auch für die zukünftige Entwicklung wichtig sind. Wie kann in Zukunft der hohe Stand der akademischen Bildung einerseits beibehalten werden, der Blick auf die ganzheitliche Erziehung junger Menschen nicht verloren gehen? Soll die Schule in Zukunft ein stärkeres Augenmerk auf die praktische Bildung legen? Wie wäre es mit der Einführung von zweistündigen Werkunterricht in der Woche für die Klassen 6-8?

Für unsere Schule ist die Gelegenheit, sich zwanglos über den Stand der Dinge und die zukünftigen Möglichkeiten auszutauschen nützlich. Natürlich wird in Gremien wie dem Kirchenvorstand, dem School Board die Frage der zukünftigen Entwicklung immer wieder angesprochen. Aber über die Jahre hinweg hat sich eine große Gruppe kundiger Freunde und Förderer gebildet, die wertvolle Beiträge zur Perspektive unserer Sozialeinrichtungen geben können. Eine Gelegenheit, einen Teil von ihnen zu treffen, ist der Empfang des Botschafters beim Tag der Deutschen Einheit.

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