60 kg Buntstifte für Schulkinder

 

2016-08-23-Buntstifte-102-200pxDrei schwere Koffer musste unser Fahrer Reta am Flughafen aufs Autodach wuchten. Drinnen war der Inhalt vieler Pakete, die im Sommer an unsere Familienadresse in Idstein gerichtet waren. Wir hatten um Buntstifte für die Schülerinnen und Schüler der German Church School gebeten.

 

Wer schon mal versucht hat, ordentliches Schreibmaterial hier in Addis Abeba zu bekommen, weiß, was das für eine Lauferei ist. Natürlich haben viele Händler Buntstifte, aber die Qualität ist oft so, dass die Kinder daran wenig Freude haben. Das Geringste ist noch, dass die Spitzen vorne abgebrochen sind, nicht selten bröseln die Minen beim Spitzen einfach weg. Kriegt man dann doch mal ordentliche, verursacht der Preis, den der Händler verlangt, unmittelbar Schnappatmung. Manchmal zahlt man zähneknirschend, weil es eine einmalige Anschaffung ist, allein schon die Erstausstattung für unsere Erstklässler würde den Rahmen unseres Haushalts sprengen.

Dank der Hilfe vieler Spender konnten wir Mitte August eine sehr erfreuliche  Menge an Stiften aus Deutschland mitnehmen. Als erstes bekamen die Schüler der Sommerkurse eine neue Ausstattung für ihre Schultasche. Und siehe da, die wussten gleich, was für ein schönes Präsent sie da in Händen hielten. Am liebsten hätten sie gleich auch noch für ihre Geschwister mitgenommen, aber wir müssen erst mal dafür sorgen, unsere eigenen Kinder auszustatten.

Der persönliche Einsatz vieler ist für die German Church School seit über vier Jahrzehnten prägend. Da kommt ein Zahnarzt aus Deutschland und nimmt sich drei Tage Zeit, um hunderten von Kindern auf den Zahn zu fühlen. Vor unserem Weihnachtsbasar am ersten Advent füllen viele ihre Koffer mit kiloweise Schokolade und Weihnachts-Süßigkeiten, die dann zugunsten der Gemeindeschule verkauft werden. Reisegruppen oder Flugbegleiter der Lufthansa erklären sich oft bereit, ein paar Koffer mit Gummibärchen, Schokoladennikoläusen extra mitzunehmen.

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Etwa 500.000 € pro Jahr können wir dank einzelner Spender, Vereine, Schulen, Kirchengemeinden, Kirchenkreisen unmittelbar in Bildung investieren. Das sind 80 % unseres Haushalts und damit unterstützen wir über 1000 junge Menschen von der ersten Klasse bis zum Universitätsabschluss.

Viele überzeugen sich persönlich davon, dass mit ihrem Beitrag ordentliche Arbeit geleistet wird. Das macht den Charme dieses deutschen Entwicklungsprojekts aus. Menschen – zum Teil über Jahre – pflegen eine intensive Beziehung zu ihren Patenkinder und der Schule insgesamt. Reisegruppen nehmen oft die German Church School in ihre Reiseplanung auf, um sich darüber zu informieren, wie Spenden und Zuwendungen unmittelbar vor Ort wirken.

Ohne diesen persönlichen Einsatz könnte die Schule ihre Arbeit für die Ärmsten der Armen nicht leisten. Die Schule ist im Rahmen von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit so etwas wie ein bunter Hund. Oft kam der Vorschlag, sie doch endlich an einen lokalen Träger zu übergeben, 45 Jahre deutscher Schularbeit seien nun wirklich genug. Wer Addis Abeba nur ein bisschen kennt, weiß, dass noch viel zu tun ist, bis die vielen Kinder und Jugendliche hier eine echte Chance auf ein selbstständiges Leben haben. Und wer die German Church School erlebt hat, kann unmittelbare erleben, dass das besondere Profil deutscher Pädagogik von Lehrern und Schülern gleichermaßen hoch geschätzt wird.

Solange immer wieder Menschen gerne sagen: „Ja, ich will eine Patenschaft für ein Kind übernehmen“, solange wir Spenden vom 75. Geburtstag, von Hochzeiten und Vereinsfeiern und vielen anderen Gelegenheiten erhalten, fühlen sich Kirchengemeinde und Schulleitung in der Pflicht, die Zuwendungen bestmöglich umzusetzen.

Zum Schulanfang in drei Wochen werden wieder Äthiopier kommen, die vor 20 oder 30 Jahren durch unsere Hilfe ihren Abschluss machen konnten. Sie erzählen, dass sie durch die die Ausbildung heute ein selbstständiges Leben führen können, Familien unterstützen und ihrem Land dienen. Der verlässliche Einsatz vieler Freunde der German Church School ist für alle eine starke Motivation.