German Church School Addis Abeba « Jedem eine Chance  «

Braunschweiger Hilfe für Arme in Addis Abeba

braunschweig06b-200pxDie Deutsche Kirchenschule in Äthiopien wird vom Dom maßgeblich unterstützt. Eine Delegation war jetzt dort zu Besuch.

Braunschweig/Addis Abeba. Die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba ist ein brodelnder, lärmender, chaotisch anmutender, für den europäischen Kurzzeit-Gast letztlich rätselhafter Moloch. Was für ein Kontrast, als wir ein Tor mit der Aufschrift „Kreuzkirche – Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache“ passieren – und in die nahezu heile scheinende Welt der Deutschen Kirchen-Schule in Addis Abeba eintauchen.

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 Auch die blau-gelbe Schuluniform gehört zur Ausstattung in der Deutschen Kirchenschule in Addis Abeba,
die von der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien getragen und vom Braunschweiger Dom
als größtem Einzelspender maßgeblich unterstützt wird.
Die Kinder kommen aus besonders armen Familien in der direkten Umgebung.

 Die Gemeinde trägt die Privatschule seit rund 40 Jahren – und seit mehr als 20 Jahren wird sie vom Braunschweiger Dom und der Braunschweiger Domgemeinde kräftig unterstützt. Pfarrer Karl Jacobi, Dienstsitz Addis Abeba, Äthiopien, hat sich zur Begrüßung vor einer Projektion des Imervard-Kreuzes aus dem Braunschweiger Dom aufgestellt. „Sie sind zuverlässige Freunde. Ohne Sie wäre vieles hier nicht möglich“, sagt er.

Der Braunschweiger Dom ist tatsächlich größter Einzelspender der Einrichtung mit rund 1100 Schülern, die ein ganz besonderes Profil auszeichnet. Es geht um Bildung buchstäblich für die Ärmsten der Armen – sie stammen aus der direkten Umgebung des Quartiers. Jeder Schüler, der hier aufgenommen wird, stammt aus einer derart armen Familie, dass ein Schulbesuch normalerweise nicht möglich wäre.

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Weil rund sechs Prozent der Menschen in Äthiopien sehbehindert oder blind sind,
sind in jeder der Klassen betroffene Kinder untergebracht.
Inklusion kann hier in der Praxis besonders eindrucksvoll nachvollzogen werden.

 Mehr noch: Weil rund sechs Prozent der Menschen in Äthiopien sehbehindert oder blind sind, sind in jeder der Klassen betroffene Kinder untergebracht. Sie werden in eigens gebildeten Teams und mit spezieller Förderung unterrichtet – ein Konzept, das in Deutschland als Inklusion be-zeichnet wird und in Addis Abeba in der Praxis eindrucksvoll nachvollzogen werden kann.

Die Dom-Delegation hat zwei Ziele zum Auftakt ihrer achttägigen und von den Teilnehmern finanzierten Reise nach Äthiopien, das immer noch als eines der ärmsten Länder der Welt gilt. Einerseits führt der emeritierte Domprediger Joachim Hempel, der die Kontakte über mehrere Jahrzehnte aufbaute, seine Nachfolgerin Cornelia Götz in dieses internationale Partnerschaftsprojekt ein. Andererseits nutzt die Dompredigerin die Gelegenheit, die Schule kennenzulernen und eine Phase der Überprüfung und möglicherweise der inhaltlichen Neuausrichtung einzuleiten.

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 Auf Unterrichtsmaterialien wird hier die Braille-Schrift für Blinde und Sehbehinderte
in die Buchstaben der amharischen Sprache Äthiopiens umgesetzt.

 Durchschnittlich rund 10 000 Euro jährlich flossen vom Dom in den vergangenen Jahren in die Kirchenschule in Addis Abeba. Sie gilt als Modell einer funktionierenden Privatschule und wurde im vergangenen Jahr nach wochenlanger Evaluierung durch die äthiopische Regierung als exzellent ausgezeichnet.

Schon mit einer Patenschaft von 30 Euro im Monat kann ein Schüler auf der Deutschen Kirchenschule finanziert werden. Wer die Einrichtung unterstützen möchte, hat denn auch zwei Möglichkeiten. Einerseits kann man mit einem Monatsbetrag von 30 Euro einem Kind die Bildungs-laufbahn von Klasse 1 bis 8 er-möglichen. Die Aussichten für Absolventen sind für äthiopische Verhältnisse hervorragend: Viele nehmen ein Studium auf oder wechseln an ein Zentrum für Berufsausbildung.

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Die Eltern spielen im Schulkonzept eine wichtige Rolle.
Hier berät der Elternrat – und diskutiert über Spenden, zum Beispiel für das Aids-Projekt.

 Andererseits kann man gezielt Projekte unterstützen. Es sind Projekte wie die Ausstattung mit Computern und Arbeitsmateria-lien für die Braille-Schrift, mit der Blinde und Sehbehinderte lesen und lernen können. Oder für die Aids-Prävention und Hilfe, die einen besonderen Schwerpunkt einnimmt.

Die Schule beschäftigt Sozial-arbeiter und hat eine eigene Krankenstation eingerichtet. Immer wieder zeigt es sich, dass massive soziale Probleme im Umfeld die Arbeit der Schule belasten kön-nen. Deshalb werden auch Eltern und Angehörige der Schüler unterstützt, mit Rat und Hilfe, mit Geld, aber auch mit Mikrokrediten.

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 Braunschweiger Dom-Delegation zu Gast in der Deutschen Kirchenschule in Addis Abeba (von links):
Heike Pöppelmann, Annette Boldt-Stülzebach, Catarina Köchy, Vize-Direktor Ato Teshoma, Joachim Klement, Christine Besier,
Walter-Johannes Herrmann, Joachim Hempel, Direktor Teklu Tafesse, Jörn Lindemann,
Dompredigerin Cornelia Götz, Henning Noske, Martin Götz, Heike Lindemann und Tobias Henkel.
Nicht auf dem Foto: Elke Lindemann.

  Das rasante Wachstum und die heftige Bautätigkeit in Addis Abeba bedrohen indes auch die Schule und ihr einmaliges Konzept – denn ohne den direkten Bezug zu den Ärmsten der Armen im Nahbereich, wo derzeit permanent Flächen benötigt und rekrutiert werden, kann es starken Veränderungen unterworfen sein.

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Freundliche Begrüßung (von links): Schulleiter Teklu Tafesse, Joachim Hempel,
Dompredigerin Cornelia Götz und Karl Jacobi, Pfarrer der Evangelischen
Gemeinde Deutscher Sprache in Addis Abeba.

 

Weitere Informationen über die Schule und Möglichkeiten, zu helfen: www.schule.addis.center/joomla/

Von Henning Noske (Fotos und Text)

aus Braunschweiger Zeitung, Dienstag, 23. Februar 2016. Seite 18

 

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