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Vogelhochzeit im Prozess

 

2018 01 22 Hölzel 104c 200pxClaudia Hölzel berichtet, wie sich ihr Praktikumsprojekt über die Zeit gewandelt hat.

Seit meinem ersten Praktikumsbericht sind mittlerweile schon einige Wochen vergangen und auch wenn mein Alltag in der Schule im Großen und Ganzen derselbe ist, so hat sich im Bereich meines Projektes doch einiges verändert beziehungsweise anders entwickelt, als ich das vielleicht zunächst vermutet hätte.

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Zunächst also vielleicht erst einmal dazu, wie ein normaler Arbeitsalltag an der CGS bei mir aussieht. Den Vormittag verbringe ich entweder bei den Beginner Students oder bei den schon etwas älteren Schüler*innen (1. – 3. Klasse) im Integration Department. In den ersten beiden Stunden gibt es neben den Schulaufgaben meist genügend Zeit für Sport, Kunst, Spiele oder andere kreative Dinge. Das ist auch die Zeit in der ich, nach Absprache mit den Lehrer*innen, verschiedene Aktivitäten mit den Schüler*innen bezüglich meines Projektes durchführe. Anschließend findet an vier Tagen Karateunterricht für die Schüler*innen des Integration Department statt, bei welchem ich ebenfalls als Unterstützung oder auch Zuschauer dabei sein darf. Während die jüngeren Schüler*innen nach der Mittagspause dann in ihrer Klasse Unterricht haben, kommen am Nachmittag die Schüler*innen aus den älteren Klassen ins Integration Department. Diese Zeit besteht zum größten Teil aus Wiederholungen des Unterrichts und Hausaufgaben Vorbereitungen (z.B. Aufgaben aus dem Buch in Braille abschreiben). Da ich hierbei nur in Englisch behilflich sein kann ist dies für mich meistens eine Zeit, in der ich der ich den Lehrern bei ihrer Arbeit über die Schultern schaue.

Wie aber hat sich denn nun das Projekt in den letzten Wochen weiterentwickelt? Als erstes fällt mir da besonders ein Wort ein: langsam. Durch viele verschiedene Dinge die in den letzten Wochen in der GCS anstanden, waren viele Lehrer sehr beschäftigt. So wurden auch abgesprochene Termine immer wieder verschoben und meine Versuche verschiedene Aktivitäten ohne Unterstützung bei der Übersetzung durchzuführen, funktionierten vergleichsweise natürlich nur mäßig. Trotzdem bestätigte sich dabei, was ich bereits zu Beginn schon als Gedanken hatte: Es geht nicht darum am Ende meines Praktikums eine Aufführung präsentieren zu können, sondern vielmehr geht es um den gemeinsamen Prozess. Und in diesem ist es immer wieder schön mitzuerleben, wie sich die Schüler*innen gegenseitig unterstützen, wie sie mehr und mehr auch eigene Wünsche und Ideen formulieren und sich auf die Projektzeiten freuen. Vielleicht wird es nun also keine komplette Aufführung werden, das Interesse der Schüler*innen daran ist gar nicht so groß, aber dafür mehr Tänze oder mehr gebastelte Materialien als am Anfang gedacht.

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Für mich ist das Wichtige, dass die Schüler*innen auch äußern dürfen woran sie Interesse haben und das ich dies auch in das Projekt aufnehme. Und dann ist es schön zu sehen, wie Tanzen einer Schülerin schwerfällt, sie aber von den Anderen motiviert und mit in das Geschehen hineingenommen wird. Oder wie einem Schüler die Musik nicht gefällt, er aber Freude daran hat mit verschiedenen Instrumenten eigene Klänge zu gestalten. Und um diesen Zugang zu den Schüler*innen zu bekommen ist es mindestens genauso wichtig auch neben diesem kurzen Projektzeiten viel Zeit mit ihnen zu verbringen: Beim Spielen auf dem Pausenhof, beim Essen oder auch bei den regulären Schulaufgaben.

Zusammenfassend könnte mal also sagen, dass man stets flexibel bleiben muss. Flexibel, um auf ungeplantes zu reagieren und besonders um die Schüler*innen nicht zu „verlieren“, sondern im Fokus des Ganzen zu behalten.

Claudia Hölzel

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