German Church School Addis Abeba « Jedem eine Chance  «

Claudia Hölzel über ihre ersten Eindrücke in Äthiopien

claudia hoelzel 01 200pxImmer wieder kommen Praktikanten zu uns, um eine Zeit hier zu verbringen und zu lernen, was eine Schule mit Inklusion ausmacht. Vieles ist neu für sie, das Land selbst, wie Menschen miteinander umgehen. Claudia Hölzel, Studentin der Heilpädagogik aus Görlitz, berichtet von ihren ersten Erfahrungen.

 

Vom Seminarraum meiner Hochschule in Görlitz ging es für mich in meinem Praxissemester weiter in die Klassenzimmer der German Church School in Addis Abeba.

Seit mehr als zwei Jahren studiere ich nun schon Heilpädagogik/Inclusion Studies und beschäftige mich damit wie man ressourcenorientiert mit Menschen arbeiten kann, damit diese aktiver Teil der Gesellschaft sein können. Da dabei der zwischenmenschliche Umgang miteinander eine große Rolle spielt, entwickelte sich bei mir der Wunsch in einer anderen Kultur zu lernen, wie Inklusion an anderen Orten der Welt gelebt wird. Und so kam ich dann schließlich zur German Church School, in der ich nun seit gut 5 Wochen neue Erfahrungen sammeln darf.

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Aber wie sieht die Theorie dann eigentlich in der Praxis aus? Denn ich möchte natürlich nicht nur beobachten, sondern auch selbst aktiv werden und Ideen umsetzen. Wie läuft das ab, wenn man als Praktikant*in an der GCS ein Projekt entwickeln möchte?

Für mich war der erste Schritt auf diesem Weg, der auch jetzt noch jeden Tag eine zentrale Rolle spielt, erst einmal die Schüler und die Lehrer kennenzulernen, viel zu beobachten, Zuzuhören, Fragen zu stellen, den Schulalltag kennenzulernen und auch möglichst viel über die Kultur und die Lebenssituation der Schüler*innen zu erfahren. Dadurch konnte ich viele eigene Eindrücke sammeln und durch die Offenheit der Lehrer mir gegenüber auch viel über ihre Wünsche, Ideen und ihre persönliche Motivation erfahren. Schwieriger war es dabei für mich diese Dinge auch von den Schüler*innen zu erfahren, da die Sprachbarriere hierbei die ein oder andere Hürde darstellte. Aber mit Übersetzungshilfe und durch das Zeit verbringen mit ihnen, konnte ich auch hier mittlerweile viele Ideen und Wünsche entdecken.

So weit so gut, aber eine Idee allein reicht ja noch nicht aus. Wie wird aus dieser Idee nun ein praktisches Projekt? Das war gar nicht so einfach für mich, weil ich gerne so viele verschiedene Dinge machen wollte.

Als Hauptanliegen von mir hatte sich schnell entwickelt, dass ich gerne etwas aktives mit den Kindern machen möchte, da sie die meiste Zeit im Klassenzimmer verbringen und dort hauptsächlich taktil gefördert werden. Ich wollte gerne etwas Ganzheitliches machen, bei dem mehr Sinne als bisher im Schullalltag gefordert und gefördert werden. Also schrieb ich alle meine Ideen auf und besprach diese mit Ato Teshome (Leiter Integration Department), Pastor Jacobi und einigen Lehrern. Was ist realistisch in der kurzen Zeit? Was ist sinnvoll? Was passt zu der Kultur, dem Schulalltag und den Bedürfnissen der Schüler*innen? Dieser Prozess war wichtig, um alle meine Gedanken zu strukturieren und auch nur etwas anzufangen, dass in meinem kurzen Praktikum auch umsetzbar und trotzdem möglichst nachhaltig ist.

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Und welche Idee hat es nun geschafft sich zu einem Projekt zu entwickeln? Das große Projekt für meine Zeit an der CGS heißt „Vogelhochzeit“ – ein bekanntes Stück in Deutschland, welches mir eine Grundlage bietet mit den Schüler*innen künstlerisch, musikalisch, sportlich und auch schauspielerisch aktiv und kreativ zu sein. Viele kennen das Stück selbst vermutlich noch aus ihrer Kindergarten-, oder Schulzeit: Ein Vogelpärchen verliebt sich, heiratet, baut ein gemeinsames Nest und hat darin kurze Zeit später ein kleines Vogelbaby zu versorgen. Eine gute Grundlage, um auch zu so manch einem Thema vielleicht thematisch in den Austausch zu kommen, denn viele der Schüler*innen aus der GCS werden nicht so behütet, wie das Vogelbaby, in einem „Nest“ erwachsen.

Ich wünsche mir, dass durch die Zusammenarbeit im Kontext des Tandem Programmes die Beziehungen der Schüler*innen untereinander wachsen können, sie mit Spaß an der „Vogelhochzeit“ ihre Sinne einsetzen können und wir auch thematisch zu dem ein oder anderen Thema in den Austausch kommen. Dabei geht es mir gar nicht darum am Ende ein perfektes Stück zeigen zu können, sondern beim gemeinsamen Arbeiten an dem Stück den Schüler*innen da zu begegnen, wo sie gerade stehen und mit ihnen zusammen ein Stück ihres Weges zusammen weiter zu gehen. Angefangen hat das Ganze übrigens schon: Mit Spielen, Kunst und der Entwicklung eines Anamnesebogens für die CGS, durch welchen mehr über die aktuelle Lebenssituation der Schüler*innen in Erfahrung gebracht werden soll.

Ich bin gespannt darauf, wie sich mein Projekt „Vogelhochzeit“ in den nächsten Monaten weiterentwickeln wird und freue mich darauf euch am Ende davon berichten zu können.

Claudia Hölzel